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…freut sich normalerweise der Dritte. Normalerweise. Passiert dies innerhalb von Familienkreisen und geht es dabei auch noch um ein Unternehmen, freut sich sehr oft gar keiner mehr. Vor allem, wenn die Parteien nicht miteinander sprechen. So wie es scheinbar aktuell bei VW der Fall ist. Quelle: spiegel.de.

 

Auch wenn es sich bei VW um die Eigentümerfamilien handelt und alles sehr viel größer ist, die Auswirkungen sind die gleichen: Unsicherheiten. Stillstand. Keiner weiß, was er wirklich machen soll. Vertrauen, das in Frage gestellt wird. Fehlt dann noch jegliche Kommunikation oder Offenheit, sind einem oft die Hände gebunden und der Weg nach vorne bleibt immer mehr aus. Klären sich dann die Unstimmigkeiten oder Streitereien nicht auf, kommt es im schlimmsten Fall zum Stillstand, was für ein Unternehmen längerfristig ein Todesurteil ist.

 

Streitigkeiten, Missverständnisse oder Unstimmigkeiten sind innerhalb des Unternehmens und auch innerhalb der Familie ganz was Normales. Und das passt auch so. Denn nur so entwickeln wir uns selbst und das Unternehmen auch weiter. Es geht also nicht darum Streitigkeiten zu verhindern sondern mehr um die Fragestellung: Wie gehe ich damit um?

 

In Zusammenhang mit der oben genannten Quelle sind mir beim Lesen des Artikels sofort 3 Aspekte eingefallen, die jeder von uns kennt, und die trotzdem, aufgrund der verschiedensten Emotionen, so oft auf der Strecke bleiben und nicht gelebt werden.

 

Reden. Reden. Reden.

Grundsätzlich über alles reden. Die meisten nehmen es sich vor, wünschen es sich auch oder vereinbaren es sogar zusammen. Nur am Ende des Tages wird es zumeist nicht umgesetzt. In der Realität fressen viele alles in sich hinein oder beschweren sich bei den Falschen über das, was gerade nicht passt. Oder es kommt zu einem gemeinsamen Gespräch, in dem man sich dann nur gegenseitig Vorwürfe macht.

 

Aber es geht auch anders. Ja, ich gebe es zu: unangenehme Dinge anzusprechen ist herausfordernd und fällt auch mir immer wieder schwer. Das wichtigste ist dabei: sich gegenseitig zuzuhören. Und wirklich zuhören und nicht nur das, was man hören möchte oder wieder einmal glaubt zu hören. Auch Emotionen sind erlaubt, solange keiner dabei verbal verletzt wird und das Gespräch nicht auf dieser Emotions-Stufe stehen bleibt. Beschreibt in dem Moment wie ihr euch gerade fühlt. Sagt was euch nicht passt, aber im Sinne eines ordentlichen Feedbacks – was das ist und wie es funktioniert, liest Du hier: Feedback für Einzelkämpfer im Business

 

Dann kommt die Phase alles aufzuklären und zu lösen. Und da haben Emotionen dann nichts mehr zu suchen. Also, wenn Du merkst, dass einer von euch emotional bleibt, dann vertage das Gespräch und klärt die Situation zu einem späteren Zeitpunkt in aller Ruhe und Sachlichkeit.

 

Aber sprecht darüber. Über alles – egal wie schwierig es auch sein mag. In diesen Fällen ist Reden besser als Schweigen. 

 

 

Aufmerksam zuhören

Ja, mach ich doch – höre ich immer wieder. Aber wie genau hörst Du wirklich zu? Ohne Vorurteile, ohne zu denken, ach diese Leier kenne ich doch schon. Nein, mit zuhören meine ich die Wünsche und Bedürfnisse des Anderen zu verstehen, die er einem tatsächlich mitteilen möchte. Und das passiert oft auch zwischen den Zeilen. Denn zwischen Sender und Empfänger einer Nachricht liegen viele Zwischenschritte (siehe Bild: Ebenen der Kommunikation), die überwunden werden müssen, bis das Gesagte auch so verstanden wird, wie es vom Sender gemeint war.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: versuche beim nächsten Mal nicht nur die gesprochenen Worte zu verstehen, sondern auch aus welcher Rolle Dein Gegenüber gerade spricht. Welche Emotionen schwingen da mit und warum könnte er so fühlen? Lass die Botschaft dann auch erst einmal wirken und nimm Dir gerne ein wenig Zeit um Dich und Deine Emotionen zum Gesagten zu beobachten und antworte erst dann darauf, wenn Du für Dich Klarheit hast.

 

Bist Du Dir unsicher, was Dein Gegenüber gemeint haben könnte, dann fasse die Aussagen nochmals in Deinen Worten zusammen und hole Dir so noch einmal die Zustimmung zu dem Gesagten ab. So kannst Du Missverständnissen sehr gut vorbeugen und Du bist Dir auch sicher, was der andere tatsächlich gemeint hat.

 

Mit Zuhören und dem Zusammenfassen des Gesagten zeigst Du eine hohe Aufmerksamkeit und auch Interesse an Deinem Gesprächspartner. Ist derjenige vielleicht gerade sauer, beruhigt ihn das wieder ein großes Stück, weil er merkt, dass er Dir wichtig ist und Du ihn wirklich verstehen willst.

 

 

Offenheit

Viele Unsicherheiten und Missverständnisse entstehen, weil oft nicht offen miteinander gesprochen wird. Gibt es Unstimmigkeiten, gehören dazu alle Argumente und Befindlichkeiten auf den Tisch. Vergiss dabei nicht: Spricht jemand offen zu Dir, dann hat diese Person Dir gegenüber großes Vertrauen. Denn nur wenn wir jemanden wirklich vertrauen, öffnen wir uns auch. Also sieh nicht gleich immer eine mögliche Kritik an dem Gesagten sondern versuche die Bedürfnisse des anderen für Dich herauszufiltern.

 

Mir ist ganz klar: die Offenheit muss man auch einstecken können und das ist nicht immer leicht. Denn Offenheit kann sehr weh tun. Und doch ist sie so wichtig, denn nur wenn alle Parteien offen kommunizieren ist eine wahre Veränderung und damit Weiterentwicklung möglich.

 

Und somit steht wieder das gemeinsame Reden im Vordergrund. Lösungsorientiert.

 

 

Zusammenfassend kann ich sagen: Unstimmigkeiten und Streitereien sind ab und zu wichtig. Es sind sehr oft die Momente in denen wir uns weiterentwickeln und wachsen. Im Familienbetrieb ist es deshalb umso wichtiger offen miteinander zu kommunizieren, weil es keine Trennung zwischen dem Beruflichen und Privaten gibt. Aber nur wenn ihr zusammen an einem Strang zieht, gelingt die gemeinsame Zeit im Unternehmen und die Übernahme mit Leichtigkeit.

 

Auf gute Gespräche.

 

Liebe Grüße

Nadja