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Folgendes Nachfolgeszenario habe ich für Dich: Es wurde lang und breit über die Übergabe zum Ende des Jahres gesprochen, das Datum festgelegt und auch die Vertragskonditionen geklärt. Es wurde alles besprochen: Wie sich die neue Firmenleitung zusammensetzt, welche Ausgleichszahlung bzw. Rentenzahlung der Senior erhält und wie der genaue Ablauf der Übergabe aussehen soll. Der Termin beim Notar steht auch bereits. Alle sind einverstanden und zufrieden.

 

So schien es zumindest…

 

Und dann kommt der große Hammer. Der Senior involviert ohne Absprache eine weitere Partei in den nächsten Schritt um sicherheitshalber noch einmal alles prüfen zu lassen. Gefühlt waren die ganzen vertrauten Gespräche bis dahin komplette Zeitverschwendung. Eine Frage hing für alle greifbar im Raum: Wieso vertraut er Externen mehr, als den eigenen Kindern.

 

Ärger, Wut, Traurigkeit – es war wie ein Schlag ins Gesicht.

 

Dieses Szenario ist tatsächlich so passiert.

 

Nur, war es wirklich kein Vertrauen in die eigenen Kinder?

 

Das kann es natürlich sein, es gibt aber auch andere Erklärungen, die zu dem Ergebnis führen konnten. Denn auf der Kommunikationsebene gibt es viele Stolpersteine, die leicht übergangen werden. Schauen wir uns diese Kommunikationshürden etwas genauer an:

Erste Hürde – die Ebenen der Kommunikation:

In dem Szenario wurde bei den Gesprächen viel erklärt, viel Überzeugungsarbeit geleistet und auch Beweise dafür erbracht. Sie haben sich sprichwörtlich den Mund fusslig geredet. Wenn wir das auf die Kommunikationsebenen projizieren, liegen zwischen dem was man sagt und dem, das der andere einverstanden ist, leider noch 3 Ebenen. Denn als erstes muss das Gegenüber das Gesagte auch tatsächlich gehört haben, er muss es im zweiten Schritt auch verstanden haben und dann erst geht es um den gewollten Schritt, Einverstanden zu sein.

 

Um die Kommunikationsebenen noch kurz abzuschließen, gibt es zwei weitere Ebenen, die Ebene des Anwendens und im letzten Schritt des Beibehaltens.

 

Das ist eine ganze Menge an Schritten, die wir bei unserer Kommunikation berücksichtigen dürfen.

 

Wir können uns also den Mund noch so fusslig reden. Wenn unser Gegenüber nicht zuhört, weil er nicht will oder es ihn einfach nicht interessiert oder er durch etwas anderes blockiert ist, dann erreichen wir nie die Stufe des Einverstandenseins geschweige denn, dass es dann auch, wie vordergründlich vereinbart, umgesetzt wird.

 

Erst wenn alle einzelnen Ebenen durchlaufen sind, kannst Du Dir um der tatsächlichen Zustimmung sicher sein.

Es gibt noch zwei weitere Kommunikationsfunklöcher, die überwunden werden müssen, in all unseren Gesprächen, die wir tagtäglich so führen. Beide beruhen auf den Forschungen und Erkenntnissen von Friedemann Schulz v. Thun:

 

Zweite Hürde: die bekannten 4-Seiten- & 4-Ohren Modelle:

 

Wenn wir eine Nachricht oder Botschaft senden, also jemandem beispielsweise etwas sagen oder schreiben, oder auf andere Weise kommunizieren, dann senden wir diese über einen von 4 Kommuniaktionskanälen. Und damit meine ich jetzt keine Geräte. Sondern wir senden und empfangen über folgende Ebenen:

  • Sachebene: hier geben wir nur Informationen und Fakten weiter und hören auch genau nur diese.
  • Appellebene: hier zeigen wir dem Gegenüber was wir von ihm gerne hätten und genau so wird es verstanden und umgesetzt.
  • Beziehungsebene: hier passieren i.d.R emotionale DU- und WIR-Botschaften, was wir von jemanden denken oder halten. Das ist auch die Ebene, in der die Schuldzuweisungen stattfinden und Streits entstehen.
  • Selbstoffenbarungsebene: hier sagt die Partei ganz klar, wie es ihm selbst gerade geht und auch der Empfänger sendet ganz klare Ich-Botschaften.

 

Wir kommunizieren aber nicht nur innerhalb einer Ebene sondern, es kann ganz leicht passieren, dass ich eine Aussage treffe und einfach nur Informationen und Fakten weitergeben möchte, mein Gegenüber bezieht die Aussage jedoch sofort auf sich selbst und fühlt sich auf der Beziehungsebene angegriffen. Also auch wenn wir Aussagen „gut“ meinen, bedeutet es noch lange nicht, dass sie auch so „gut“ gehört und verstanden werden. Und schon lange nicht, dass mein Gegenüber einverstanden ist.

 

Am besten ein Beispiel dazu:

Kommunizieren ist extrem komplex und daher ist es auch schwierig jederzeit zu erkennen in welchen Ebenen man selbst gerade unterwegs ist und das dann auch noch beim Gegenüber zu verfolgen.

 

Und doch gibt es 4 essentielle Wege, wie Du Gespräche gut meistern kannst und sie auch durch die Kommunikationsebenen bis zum Punkt Anwenden und auch Beibehalten schaffst.

 

  • „Wer fragt, führt.“ Den Spruch kennst Du mit Sicherheit. Wir treffen viel zu viele Annahmen und glauben zu meinen, den anderen damit richtig einzuschätzen. Willst Du allerdings wirklich wissen, was der andere denkt oder meint, dann gibt es nur eine richtige Möglichkeit: frage die Person. Fragen zu stellen ist eine der effektivsten Methoden und wird viel zu wenig eingesetzt. Mit Fragen erfährt man vor allem das, was dem anderen wichtig ist. Das bedeutet nicht, seine eigene Meinung oder Standpunkte nicht mehr zu vertreten, ganz im Gegenteil. Mit Fragen erhält man zusätzlich Informationen, was dem anderen wichtig ist und kann diese dann mit den eigenen Punkten abgleichen und daraus gemeinsame Lösungen entwickeln. Das führt uns direkt zum nächsten Punkt…

 

  • Erkenne die Bedürfnisse Deines Gegenübers. Was denkt er? Was will er? Was ist ihm wichtig? Nur dann, wenn man wirklich versteht, wo der andere für sich selbst gerade steht, kann man auch einen Weg zueinander finden. Vorausgesetzt: beide wollen das natürlich.

 

  • Ich-Botschaften senden. Es ist eine der Regeln richtiges Feedback zu geben. Es erleichtert uns aber auch grundsätzlich die Kommunikation mit anderen, wenn wir in Ich-Botschaften sprechen. Damit geben wir viel preis und machen uns natürlich angreifbar, die Aussagen sind aber auch unmissverständlich, weil ich aus meiner eigenen Perspektive spreche und damit keinen persönlich angreife.

 

  • Seine eigene Wahrheit nicht als die einzige Wahrheit sehen. Jeder von uns hat seine eigene Sichtweise, seine eigenen Erfahrungen und eigenen Verknüpfungen der Geschehnisse. Und jedes davon hat seine Berechtigung. Genau hier komme ich auf die ersten beiden Punkte nochmals zurück. Fragen zu stellen und die Offenheit zu haben die Bedürfnisse und Sichtweise des anderen zu verstehen, hilft die unterschiedlichen Wahrheiten auf einen gemeinsamen Nenner zusammenzubringen.

 

Gute Kommunikation, auch in sehr schwierigen Situationen, ist möglich. Nicht einfach, und doch machbar.

 

Im Nachfolgeprozess ist es extrem wichtig, immer wieder dran zu bleiben und auf den anderen einzugehen. Egal wie nervig es ist und wie sehr ihr euch gefühlt im Kreis dreht.

 

Fragen stellen, Selbstoffenbahrungen und der Wunsch nach einer gemeinsamen Lösung wird euch ans Ziel bringen!

 

Schreib mir gerne, wie es Dir in Deinen Nachfolgegesprächen geht.

 

Und vergiss nie: es darf leicht gehen!

 

Liebe Grüße

Nadja